Vom Hobby zur echten Herausforderung

Meine Tochter ist Sportakrobatin. Das heißt für uns, dass wir ab und an den ganzen Tag – oder auch mal ein ganzes Wochenende – auf Wettkämpfen verbringen. Letztes Wochenende stand der erste Wettkampf an: die offene Brandenburger Landesmeisterschaft 2026 in Potsdam. Sozusagen ein Heimspiel für uns. Am Donnerstag vor dem Turnier bin ich wie gewohnt zum Training gegangen. Nichtsahnend bin ich gegen 21 Uhr nach Hause gekommen und meine Frau erklärte mir freudestrahlend, dass in der Vereins-Chat-Gruppe jemand gesucht wird, der am Samstag Fotos machen kann. mit breitem Grinsen im Gesicht, verkündete sie mir, dass sie angeboten hat, dass ich das gerne machen kann.

So saß ich nun im Wohnzimmer, mehr oder weniger durchgeschwitzt vom Training, und dachte angestrengt darüber nach, wie ich das ganze realisieren kann. Zum einen wollte ich gute Fotos liefern und zum anderen machte ich mir Sorgen, was habe ich an Equipment zur Verfügung und was benötige ich idealerweise noch. meine Kamera (Sony Alpha 7 IV) nutze ich immer noch mit dem 1. originalen Akku. Dieser ist nun mittlerweile 3,5 Jahre alt und hat schon einige Auslösungen und Ladezyklen hinter sich. Dazu stecken in der Kamera 2 128GB SD-Karten und ich habe noch irgendwo eine alte 64GB und 32GB Karte rumliegen.
Da ich ab und an bei den Wettkämpfen meiner Tochter schon ihre Übungen fotografiert hatte, hatte ich von den technischen Aspekten her schon eine genaue Vorstellung was ich da machen muss. In den Hallen herrscht normalerweise kein besonders gutes Licht. Daher nutze ich die Zeitautomatik (bei mir Programm S) mit irgendwas zwischen 1/1000 und 1/2000 Sekunde Belichtungszeit. Den ISO lasse ich auf Auto. Die Blende wird offen sein, da das Licht in den Hallen zu 99,9% nichts anderes zulassen wird. Ich werde Serienbilder (Einstellung Mid) aufnehmen mit festem Fokusbereich im Zentrum. Wenn der Autofokus mitspielt hat man so scharfe Bilder. Also Objektiv nehme ich entweder, je nach dem wo man stehen kann, entweder das Sigma 24-70mm f2.8 Art oder mein Tamron 70-180mm f2.8. Da ich die Halle in Potsdam gut kenne wird es primär das Sigma werden. Aus der Erfahrung weiß ich, dass ich pro Übung dann ca. 100-150 Bilder aufnehmen werde, wovon am Ende 25-35 Bilder übrig bleiben.
ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Ahnung , wie viele Formationen antreten bzw. wie viele Übungen an dem einen Tag geturnt werden. auf die 128GB-Katen passen knapp 1.600 RAW-Dateien unkomprimiert. mit Komprimierung kann man das verdoppeln, dann leidet aber die Serienbildgeschwindigkeit der A7IV. Daher schloss diese Option aus.
Was heißt das für mich: ich brauche einen Ersatzakku und ich brauche eine Lösung für die vollen SD-Karten. Also Amazon auf, ein Dreierpack Ersatzakkus inkl. Ladegerät, und eine externe 1TB Festplatte gekauft und dabei darauf geachtet, dass die Lieferung am Freitag stattfindet. Danke Amazon für diese Option.

Bis hier hin dachte meine Frau, das ich nur die Potsdamer Formationen fotografieren soll. Am Freitag Nachmittag fand das Aufbauen statt. Dabei unterstützen die Eltern tatkräftig. Ich fragte beim kurz beim Orga-Team nach was sie sich vorstellen und ich erhielt ein freundliches: Du kannst dich überall hinstellen und alle fotografieren. Damit war dann auch meine Vermutung bestätigt, dass der Verein die gesamte Veranstaltung dokumentiert haben will. zum Glück trudelten im Laufe des späten Nachmittags die bestellen Sachen ein.
Nach dem Aufbau in der Halle galt es dann meine Ausrüstung zusammenpacken. Ich packte neben dem neuen Equipment natürlich die beiden genannten Objektive ein und zur Sicherheit – falls irgendjemand spontan ein großes Gruppenfoto plant – noch mein Voigtländer 15mm f4 ein. Dazu mein Laptop. Damit wollte ich, sobald eine SD-Karte voll ist, diese in direkt in Lightroom einspielen und auf der externen Platte speichern.

Am Samstag bin ich dann mit meiner Tochter zum regulären Treff der Potsdamer Sportakrobaten um 8:30 Uhr in der Halle gewesen. Ich wollte die Zeit nutzen um mein Zeug irgendwo aufzubauen, wo niemand ran kommt und ich es schnell erreichen kann. Das hat auch alles am Ende gut geklappt.
Als der Wettkampf begann, begann auch ich mit etwas Reportage. Das ist eigentlich keine große Sache werden sich jetzt viele Denken, aber was mir aufgefallen ist, ist, dass die Kunst darin besteht, dabei nicht wahrgenommen zu werden. Das ist mir ehrlicherweise nicht sehr gut geglückt.

Der Wettkampf selbst ist für die Potsdamer sehr gut gelaufen. Alle Formationen haben Medaillen gewonnen. Meine Tochter ist mit Ihrer Formation Landesmeister geworden.
Mein Plan hat ziemlich gut funktioniert. Insgesamt habe ich 57 Übungen, die Siegerehrung und etwas Reportage gemacht. Eine SD-Karte reichte fast immer für genau einen Block (ca. 5-7 Übungen), die ich dann in der 5-Minuten-Pause dazwischen an den Laptop zum Einlesen stecken konnte und dabei auf der 2. SD-Karte fotografiert habe. Ich brauchte über den Tag hinweg etwas mehr als 3 Akku-Ladungen.

Am Ende bin ich mit fast 9.900 Fotos um 19:30 Uhr nach Hause gefahren. Eigentlich war ich fix und fertig aber die Neugier auf die Fotos hat mich gepackt und beim ersten Durchsehen realisierte ich schnell, dass jetzt die eigentliche Arbeit kommt. Meine erste Idee war es die KI-Bildauswahl von Lightroom zu nutzen, aber das war eher sinnlos. Das Tool wählte von den 9.900 Bildern knapp 9.400 aus. Also machte ich mich an die alt bewährte Methode und schaute mir jedes Bild an.
Sonntagabend hatte ich meine Auswahl auf etwas weniger als 2.000 Bilder eingeschränkt. Da fast alle Bilder leicht verrauscht waren, aufgrund der Tatsache, dass fast alle bei ISO 5.000 aufgenommen waren, hatte Lightroom nun die ganze Nacht Zeit (und auch gebraucht) um die Bilder zu entrauschen. Dann bereitete ich ein Preset vor, welches ich auf alle Bilder anwenden konnte.

Ich habe dann von Montag bis Mittwoch jeweils vor und nach der Arbeit meine Zeit mit der tollen Aufgabe verbracht, jedes einzelne Foto nochmals anzupacken und den richtigen Ausschnitt zu wählen. Das ein oder andere Bild ist dann auch nochmals aussortiert worden.

Am Ende habe ich 1.800 Bilder abgeliefert.

Was ist mein Fazit daraus: ein Hobby macht Spaß. Das Projekt hat mir auch spaß gemacht, war aber schon in der Richtung zu „Arbeit“. Natürlich hatte der Verein auch die Hoffnung, dass das einigermaßen zügig geht – auch wenn man es nie so offen gesagt hat. Auch die anderen Eltern waren neugierig – verständlicher Weise. Am Ende war ich mit mir zufrieden, dass es dann doch so „schnell“ ging. Meine Motivation war hoch, gute Bilder zu liefern. Wenn ich die Nacharbeitszeit mal überschlage (inkl. der Rechenzeit des Computers) komme ich auf rund 42 Stunden reine Nacharbeitszeit und Export.

Vielen Dank an die Potsdamer Sportakrobaten für die Gelegenheit meine Fähigkeiten weiter auszubauen. Ich hoffe die Bilder gefallen euch. Folgt ihnen gerne auf Instagram, dort gibt es noch mehr Fotos von mir.

Die Formation meiner Tochter am Ende ihrer Übung.